Vorwürfe gegen ehemaligen Nienberger Pfarrer

Münster-Nienberge - Pfarrer Hans Döink, Diözesanbeauftragter und Vorsitzender der Kommission für „Fälle des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche“ im Bistum Münster, gibt unumwunden zu: „Es ist eine missliche Situation.“ Ein Priester, von 1953 bis 1970 Pfarrer der St.-Sebastian-Gemeinde, soll im Zeitraum von 1949 bis 1951 den damals elfjährigen H. S. nach dessen Angaben „geschlagen und sexuell belästigt“ haben. Zu dieser Zeit arbeitete der Priester in der Pfarrei St. Peter in Waltrop. „Ich habe lange gewartet, ob ich an die Öffentlichkeit gehen soll“, sagte H. S., der damals Messdiener in Waltrop war und seit vielen Jahren in Erlangen wohnt. Der Pfarrer war ab 1976 Krankenhaus-Seelsorger in Altenberge und starb am 13. August 1987.

H. S. kritisiert, dass die katholische Kirche seiner Ansicht nach „kein Interesse habe, den Missbrauchsfall aufzuklären“. Diesen Eindruck habe er in dem Gespräch mit Pfarrer Hans Döink gewonnen. „Selbstverständlich habe ich lange mit ihm gesprochen“, erklärte Döink auf WN-Anfrage. Zudem stellten sich zwei Probleme: Zum einen könne sich der beschuldigte Priester nicht mehr wehren, zum anderen sei eine mögliche Tat strafrechtlich verjährt, so Döink. Nun stehe die Beschuldigung im Raum.


Der 72-jährige H. S., der bereits mit 21 Jahren aus der katholischen Kirche austrat, hat zudem versucht, mit Pfarrer Reinhard Mönnighoff, Pfarrer der St.-Sebastian-Gemeinde, Kontakt aufzunehmen. „Er hat mit unserer Sekretärin gesprochen und weder Adresse noch Telefonnummer hinterlassen“, sagte Mönninghoff. „Ich würde gerne mit ihm sprechen.“ Zudem werden Missbrauchsfälle, wenn sie denn bekannt werden, an die entsprechende Bistums-Kommission weitergeleitet. Für Mönninghoff steht fest: Wenn die Vorwürfe zutreffen, „ist es schlimm“. Wenn nicht, sei es eine „Diffamierung von Verstorbenen“.

Zudem hat Mönninghoff, wie er sagt, mit Pfarrer Reinhold Waltermann, dem Nachfolger des Pfarrers in St. Sebastian, gesprochen. Er habe „nie etwas dergleichen gehört“.

VON MARTIN SCHILDWÄCHTER, ALTENBERGE


10 · 05 · 10





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