Wintersport
Erfolg mit der Damenstaffel
17.02.2017

Wieder WM-Gold! Dahlmeier siegt und bricht erneut zusammen

War das ein Biathlon-Drama. Ganz knapp läuft die deutsche Damen-Staffel in Hochfilzen zum Gold. Für Laura Dahlmeier ist es ein besonderer Sieg. Sie holt als erste Skijägerin zehn WM-Medaillen in Serie. Aber sie hat sich erneut verausgabt. Der Arzt gibt Entwarnung.

Hochfilzen (dpa) - Nach ihrem neuerlichen Zusammenbruch zeigte sich Laura Dahlmeier bei der Siegerehrung für das Staffel-Gold wieder überschäumend fröhlich. «Es hat etwas gebraucht, aber jetzt geht es mir gut», sagte sie.

Zusammen mit Vanessa Hinz, Maren Hammerschmidt und Franziska Hildebrand sorgte die WM-Seriensiegerin auf der Medal-Plaza von Hochfilzen für die mittlerweile schon obligatorische Sektdusche. «Schön, dass wir zusammen so toll feiern können», sagte sie.

Ein paar Stunden zuvor war sie einfach zusammengebrochen. Die nun sechsmalige Weltmeisterin legte nach ihrer Energieleistung vor den Journalisten aus aller Welt erst den Kopf auf den Tisch. Dann streckte sie die Beine aus. Sie wurde auf dem Podium von Mannschaftsarzt Klaus-Jürgen Marquardt gestützt.

Mit wackligen Beinen und blassem Gesicht wurde sie nach ihrer zehnten WM-Medaille in Serie in einen Nebenraum geführt. Dort lag die 23-Jährige lange auf einer Pritsche. «Sie gibt mehr, als sie eigentlich körperlich in der Lage ist», sagte Marquardt und stellte fest: «Sie hat mir gesagt: Ich bin ein zähes Luder.»

Schon nach ihrem Sturmlauf zu Staffel-Gold und in die Geschichtsbücher war Deutschlands neue Biathlon-Königin nach dem Zieleinlauf völlig entkräftet liegen geblieben, ehe die Schlussläuferin von ihren Teamkolleginnen Hinz, Hammerschmidt und Hildebrand auf die Schultern genommen wurde. «Als ich über die Ziellinie gekommen bin, habe ich schon gemerkt, oh, ich bin ganz schön platt. Es ist etwas viel gewesen in letzter Zeit», sagte sie.

Auch wenn Dahlmeier nach ihrem ersten Schwächeanfall zwei Tage zuvor beim Gold-Triumph über 15 Kilometer erst am Vorabend des Staffel-Rennens grünes Licht für den Einsatz gegeben hatte, machten sich ihre Teamkolleginnen keine Sorgen. «Da würde ich mir überhaupt keine Gedanken machen», sagte Hinz. «Sie ist jetzt einfach k.o. und müde. Die erholt sich auch wieder. Dafür sind wir Leistungssportler.»

Schon bei der Flower-Zeremonie hatte Dahlmeier blass ausgesehen und angestrengt gelächelt. Bereits am Mittwoch hatte sie nach ihrem WM-Titel im Einzel einen Kreislaufkollaps wegen Blutdruckproblemen erlitten. Trotzdem will sie im Massenstart am nach dem fünften Gold in Tirol greifen: «Ich bin mir sicher, dass ich mich wieder richtig regeneriere. Ich denke, dass es bis zum Massenstart wieder klappen kann. Dann gebe ich wieder Vollgas», kündigte sie an. Arzt Marquardt sagte: «Ein Start am Sonntag ist nicht gesundheitsgefährdend.»

Für die Staffel hatte Dahlmeier nach ungewohnter Schwäche am Schießstand alles gegeben. Mit zwei Nachladern beim letzten Schießen hatte sie es noch mal spannend gemacht und den Sieg mit 6,4 Sekunden Vorsprung auf die Ukraine und 8,1 Sekunden auf Frankreich ins Ziel gerettet. Doch das hatte Kräfte gekostet.

Dank des zehnten Sieges einer deutschen Damen-Staffel durfte Dahlmeier auch einen eigenen WM-Rekord feiern. Sie holte als erste Skijägerin zehn WM-Medaillen in Serie. In einem Punkt ist Dahlmeier jetzt sogar schon besser als Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner, die als beste Ausbeute dreimal Gold und zweimal Silber bei einer WM mitnehmen konnte. Dahlmeier hat in Tirol schon viermal Gold und einmal Silber gewonnen.

Auf tiefer Spur benötigte Startläuferin Hinz zwei Nachlader, übergab als Dritte mit einem Rückstand von 10,6 Sekunden auf Frankreich an Hammerschmidt. Die Winterbergerin kämpfte im Stehendschießen zwar gegen die Strafrunde, rettete sich mit drei Nachladern und übergab mit einem Sechs-Sekunden-Rückstand als Zweite hinter Italien an Hildebrand.

Die 29-Jährige setzte sich schnell an die Spitze, blieb am Schießstand fehlerfrei - es war die beste Leistung der Team-Ältesten bei dieser WM. Überfliegerin Dahlmeier übernahm mit einem Vorsprung von 9,7 Sekunden vor Olympiasieger Ukraine - was sollte da noch schiefgehen? Doch sie sorgte für ein Drama - auch nach dem Rennen.

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