Arminia will „lieber mutig auf die Schnauze fallen“

Von Von Holger Schmidt, dpa
Arminia will „lieber mutig auf die Schnauze fallen“

Robert Lewandowski von Bayern schießt das Tor zum 0:3. Foto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa/Aktuell

Bielefeld (dpa/lnw) - Lange Zeit war Arminia Bielefeld gegen den FC Bayern München chancenlos. Doch nicht aus der Lehrstunde in der ersten Hälfte des Spiels zieht der Aufsteiger wichtige Lehren für den Abstiegskampf. In den ersten drei Spielen nach dem Aufstieg hatte Arminia Bielefeld stets auf Augenhöhe agiert, der FC Bayern München war laut Arminia-Trainer Uwe Neuhaus dann „schon nochmal eine kleine andere Fußball-Welt“. Beim 1:4 (0:3), der ersten Heimniederlage seit fast 13 Monaten, wurden die Ostwestfalen eine Halbzeit lang regelrecht vorgeführt, ehe sie sich zumindest mit allen vorhandenen Kräften wehrten. „Bei uns in der Kabine wäre ein Sauerstoffzelt gut“, sagte Kapitän und Torjäger Fabian Klos: „Dass wir nicht alles gegeben haben, kann man uns nicht vorwerfen.“

Doch lange Zeit waren die Ostwestfalen „zu behäbig, wir hatten zu viel Respekt“, wie der starke Torhüter Stefan Ortega erklärte: „Es ist gut, dass wir so früh in der Saison sehen, wie es gegen absolute Top-Teams zugeht. Und wie ich uns kenne, werden wir unsere Lehren daraus ziehen.“ Für den Rest der Saison gab Ortega dann auch ein sehr griffiges Motto aus: „Lieber mutig auf die Schnauze fallen als den Schwanz einziehen und so auf den Sack kriegen.“

Das macht Sinn, denn die Arminia aus der ersten Halbzeit vom Samstag war nicht die Arminia, die im Vorjahr überraschend den Aufstieg schaffte. „Bielefeld ist eine Mannschaft, die Fußball spielen möchte“, sagte Bayern-Trainer Hansi Flick: „Und ich bin ein Freund von Mannschaften, die Fußball spielen möchten.“

Das tat gegen die Bayern vor allem Ritsu Doan, die japanische Leihgabe von der PSV Eindhoven. Der 22-Jährige erzielte nicht nur das Ehrentor (59.), er war an quasi jeder gefährlichen oder spektakulären Offensiv-Aktion der Bielefelder beteiligt. „Er ist sehr quirlig und schnell auf den Beinen“, lobte Bayerns Kapitän und Torhüter Manuel Neuer und ergänzte mit Blick auf das Gegentor: „Und er schießt auch mit dem vermeintlich schwachen Fuß sehr gut.“

Das macht Mut für die Ostwestfalen, die mit vier Punkten aus vier Spielen immer noch einen ordentlichen Saisonstart hingelegt haben. Was fehlt, sind aktuell auch die Tore von Klos, dem seit Jahren besten Torschützen. Gegen die Bayern verdiente sich der 32-Jährige zumindest seinen ersten Scorer-Punkt für die Vorlage auf Doan, sein erstes Erstliga-Tor vergab er gegen Neuer (31.). „Natürlich erwarten die Leute, dass ich auch eine Liga höher meine Tore mache“, sagte der Zweitliga-Torschützenkönig des Vorjahres mit 21 Treffern: „Das hat sich leider noch nicht ergeben. Diesmal war ich aber schon ein Stück näher dran als in den ersten drei Spielen. Als Stürmer muss man immer weitermachen, irgendwann geht er schon rein.“

Am liebsten für Klos nächste Woche in Wolfsburg, wo er von 2009 bis 2011 in der 2. Mannschaft spielte, ehe ihn die Arminia in den Profi-Fußball holte. „Wenn wir dort mit genauso viel Einsatz und etwas mehr Mut spielen, ist ein Punkt drin“, sagte Klos.