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Emsdetten

„Klopapier ist auch mir ein Rätsel“

Interview mit Martin Wolf, Geschäftsführer Edeka-Märkte Wolf, über Herausforderungen der Nahversorgung

Donnerstag, 19. März 2020 - 08:00 Uhr

von Paul Nienhaus

Foto: Nienhaus

Martin Wolf muss derzeit als Geschäftsführer von sieben größeren Edeka-Märkten eine Fülle von logistischen Herausforderungen bewältigen, die mit der Versorgung der Bevölkerung während der Corona-Krise zusammenhängen.

Dem Lebensmitteleinzelhandel kommt eine Schlüsselfunktion bei der Versorgung der Bevölkerung zu. Mit dem Aufkommen der Corona-Krise sind auch Tendenzen zu einem veränderten Einkaufsverhalten aufgekommen.

Nudeln sind ein beliebtes Produkt

Teilweise wurde das Phänomen von Hamsterkäufen beobachtet – Verkaufsregale für Toilettenpapier und Nudeln waren in vielen Märkten wie geräubert. Der Rheinenser Martin Wolf (58) ist mit seinem Bruder Thomas gemeinsam Geschäftsführer der EdekaMärkte Wolf. Sie betreiben im Kreis Steinfurt sieben Märkte, darunter in Rheine die Geschäfte an der Felsenstraße und am Lingener Damm.


Hamsterkäufe sind das große Thema der vergangenen Tage gewesen in der Corona Krise. Wie würden Sie das Einkaufsverhalten Ihrer Kundschaft einschätzen? Was hat sich geändert?

Martin Wolf: Das Verhalten hat sich in dem Sinne geändert, dass der Verbraucher sehr spontan, nachdem das Thema publik wurde, dazu übergegangen ist, sich Vorräte anzulegen. Er hat in einem erhöhten Maß seinen Einkauf wahrgenommen, aber jetzt auch nicht Berge eingekauft. Das, was er eingekauft hat, hat er aber schon sehr intensiv getan.


Bundesweit sind ja gerade Klopapier und Nudeln so zum Symbol dieser Hamsterei geworden. Haben Sie persönlich eine Erklärung, warum gerade diese beiden Produkte besonders gefragt waren?

Warum gerade Klopapier gekauft wurde, ist uns auch ein Rätsel. Nudeln sind dagegen ein beliebtes Produkt, das man unkompliziert lagern und zubereiten kann. Insofern ein ganz unproblematischer Artikel.


Die Bundesregierung wird ja nicht müde, zu betonen, dass die Lieferketten gesichert sind und dass die Versorgung der Bevölkerung in jedem Fall gewährleistet ist. Wie sieht das konkret für einen Lebensmittelhändler vor Ort aus? Inwiefern empfinden Sie es als sicher, dass geliefert wird?

Ich kann mich der Regierung nur anschließen. Seitens unserer Großhandlung, der Edeka-Großhandlung, ist es ganz klar kommuniziert worden: Es läuft alles ganz normal weiter – auch mit dem jetzt erhöhten Aufkommen. Es ist umgeschaltet worden. Das nennt sich dann: „Ins Weihnachtsgeschäft umschalten“. Dementsprechend sind die Tonnage und die Zahl der Mitarbeiter hochgefahren worden. Dennoch kommt es bei einigen Artikeln zu Lieferengpässen. Das ist einfach dem Umstand geschuldet, dass so viele Sachen abgefragt worden sind, die vorher Randprodukte waren wie zum Beispiel Desinfektionsmittel. Das hatte niemand auf dem Schirm, dass es so eine explosionsartige Nachfrage geben würde. Bis die auch wieder in die Regale kommen, wird es eine gewisse Vorlaufzeit geben. Da muss uns der Verbraucher noch etwas Zeit geben.


Wie sieht es im Bereich der Frischesparte aus?

Unkompliziert. Frischeware wird innerhalb von 24 Stunden geliefert und ist auch in jeglicher Form verfügbar. Da gibt es keinerlei Einschränkungen.


Auch bei der Lieferung aus dem Ausland?

Auch aus dem Ausland kommt der Nachschub – ob es aus Holland ist oder anderswo her. Das läuft völlig reibungslos.


Bei Obst und Gemüse denkt man ja auch an das Risikoland Italien ...

Das hat bisher noch nicht durchgeschlagen. Das kann ich definitiv sagen. Ich kann gar nicht genau sagen, wie viele Produkte aus Italien kommen. Aber wir sind mittlerweile so international aufgestellt. Wenn der italienische Markt wegfällt, geht es in den spanischen Bereich. Also haben wir noch keine Engpässe festgestellt.


Was könnte der Verbraucher tun, um mit seinem Verhalten den Lebensmittel-Einzelhandel zu entlasten?

Wünschenswert wäre es, wenn er die ganze Woche zum Einkaufen nutzen würde, also nicht schwerpunktmäßig am Freitag oder Samstag kommt. Ein weiterer Wunsch wäre es, wenn er vom Bargeld absehen würde und möglichst viel die Karten- und Handyzahlung nutzt. Das würde unsere Mitarbeiter und den gesamten Kassenablauf unterstützen.


Jetzt hat die Bundeskanzlerin Montag Abend in ihrer Pressekonferenz unter anderem auch verkündet, dass das Verbot der Sonntagsöffnung aufgehoben ist. Wie wird sich das auswirken?

Für uns kann ich die Aussage treffen: Wir haben jetzt 84 Stunden in der Woche geöffnet. Das ist momentan vollkommen ausreichend. Wir haben keine Überlegungen, auch am Sonntag zu öffnen.


Wie hat sich Edeka Wolf jetzt arbeitsorganisatorisch auf die Krise eingestellt?

Das war natürlich eine Herausforderung für uns, um auch die Nahversorgung zu sichern. Für die nahe und mittlere Zukunft haben wir unser Arbeitszeitmodell und den Arbeitseinsatz der Mitarbeiter geändert, so dass wir jetzt zwei Gruppen voneinander getrennt haben, die autark voneinander arbeiten können. Wenn es zu Problemen kommen sollte, kann immer eine Gruppe den Betrieb aufrecht erhalten.


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