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Emsdetten

Sechs Senioren sterben an Corona

16 Menschen im St. Josef-Stift infiziert / Einige Bewohner überstehen das Virus unbeschadet

Mittwoch, 8. April 2020 - 14:35 Uhr

von Jacqueline Beckschulte

Im St. Josef-Stift sind bisher sechs Menschen am Corona-Virus gestorben.

Vor knapp zwei Wochen überschlugen sich die Ereignisse im St. Josef-Stift. Die ersten Mitarbeiter und Bewohner waren nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert, ein vorerkrankter 93-Jähriger starb an den Folgen der Covid-19-Erkrankung. Über einen Bewohner, der zuvor im Krankenhaus behandelt worden war, gelangte das Virus in die Einrichtung.

In der Zwischenzeit sind fünf weitere Bewohner im St. Josef-Stift an den Folgen von Corona verstorben – „allesamt vorerkrankt“, betonte Dr. Peter Eckhardt, Vorstand der Stiftung St. Josef, gegenüber der EV am Mittwochvormittag. 16 Menschen sind infiziert (Stand: Mittwochmorgen). Doch es gebe auch gute Nachrichten, versicherte Eckhardt. Einige Bewohner hätten ihre Erkrankung bisher gut überstanden – im Laufe des Donnerstags zeige sich, ob sie offiziell als gesundet eingestuft werden können.

Erster Fall auch im Sonnenhof

Mittlerweile ist aber nicht mehr nur das St. Josef-Stift vom Virus befallen – auch im Sonnenhof gebe es einen ersten Fall, berichtet Eckhardt. Ein Bewohner sei nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert. „Es ist Ironie des Schicksals“, meint Eckhardt. Wie es schon im St. Josef-Stift der Fall war, wurde auch diese betroffene Person zuvor im Krankenhaus behandelt und kam dann in die Einrichtung.

„Wir sind davon überrascht worden“, schildert der Vorstand die Situation. „Wir wären heilfroh, wenn im Krankenhaus Tests gemacht würden, bevor die Menschen in die Einrichtungen entlassen werden.“ Vorsorglich werde nun jeder neue Bewohner in den Einrichtungen der Stiftung St. Josef 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Foto: Bernd Oberheim

Das Start-up der Schmitzwerke „Textilwerk.io“ hat dem St. Josef-Stift 4000 Atemschutzmasken kostengünstig und zügig zur Verfügung gestellt. Dan Schmitz (l.) und Maik Ehmke (2.v.l.)(Geschäftsführer von Textilwerk.io) überreichten diese an Dr. Peter Eckhardt, Vorstand der Stiftung St. Josef (2.v.r) und Geschäftsführer Martin Kolbe.

Start-up stellt 4000 Masken zur Verfügung

„Wir sind mittlerweile geübt und wissen, wie wir mit der Situation umgehen müssen“, sagt Eckhardt: „Wir sind Corona-Profis. Auch, wenn ich lieber ein anderer Profi wäre.“ Es müsse sich niemand Sorgen um seine Angehörigen in den Einrichtungen machen, „unsere Mitarbeiter sind motiviert bis in die Haarspitzen“, macht der Vorstand deutlich. Mit Schutzmaterialien werde das Stift von hiesigen Unternehmen versorgt – so stellte beispielsweise das Start-up der Schmitzwerke „Textilwerk.io“ 4000 Gesichtsmasken kostengünstig und zügig zur Verfügung. Die Firma Sohlmann helfe mit Schutzanzügen, so Eckhardt.

Pflegekräfte isoliert

Seit gut einer Woche sind die Pflegekräfte des Altenheims isoliert – sie übernachten im Hotel Pötter und im Lindenhof. Nach Hause dürfen sie zurzeit nicht – zumindest nicht so lange sie im Dienst sind: Sie arbeiten eine Woche, anschließend haben sie eine Woche frei, in der sie dann auch wieder zu ihren Familien können. In den Hotels sind die Mitarbeiter des Stifts „unter sich“, so Eckhardt.

Dabei sind Mitarbeiter der Küche, Pflegekräfte, die sich um gesunde Bewohner kümmern sowie Mitarbeiter, die mit Infizierten zu tun haben, räumlich voneinander getrennt untergebracht. Mit Essen werden sie im Stift versorgt. „Wenn Bettenwechsel ist, übernehmen das die Mitarbeiter selber“, erklärt er das Prozedere, wenn Schichtwechsel ist und „neue“ Mitarbeiter ins Hotel ziehen. So wird kein Risiko eingegangen, dass ein Zimmermädchen infiziert wird oder andersherum Stift-Mitarbeiter möglicherweise ansteckt.

„Tolles Solidaritätsgefühl unter den Mitarbeitern“

Gemeckert wird nicht: „Die Mitarbeiter schreien natürlich nicht juhu, aber sie gehen gut mit der Situation um“, sagt er. Er habe von Petra Baumann, Einrichtungsleiterin im St. Josef-Stift, die Rückmeldung bekommen, dass „ein tolles Solidaritätsgefühl unter den Mitarbeitern“ herrsche. „Sie fühlen sich unglaublich verpflichtet gegenüber den Bewohnern“, gibt er wieder. Sie alle rücken – natürlich nur symbolisch – näher zusammen. Und auch kleine Erfolgserlebnisse seien eine große Motivation, weiterzumachen.

In den übrigen Einrichtungen gebe es bisher noch keine Infizierten. Es seien zwar vereinzelt bei Bewohnern oder Mitarbeitern Symptome aufgetreten, doch die Tests seien bisher „alle unauffällig gewesen“, so Eckhardt.


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