Rheine

Dubioses Inkassoschreiben kursiert

Verbraucherzentrale warnt vor zwei neuen Betrugsmaschen

Donnerstag, 23. Juli 2020 - 06:00 Uhr

von Jannik Tillar

Dieses Betrugsschreiben einer angeblichen Inkasso-Firma kursiert zurzeit in Rheine. Die Kontaktdaten sind hier unkenntlich gemacht worden.

Bei der Verbraucherzentrale in Rheine gehen die Gespräche derzeit häufig in die gleiche Richtung. Grund dafür sind zwei neue Methoden, die in der Rheiner Bevölkerung für Aufruhr sorgen. In einem Fall geht es dabei sogar um waschechten Betrug.

Angebliche Sammelklage

Zahlreiche Anwohner erhielten in den vergangenen Tagen einen Brief von der ECE Solution Group Ltd. Den Briefkopf ziert dabei ein großer Paragraf, vermerkt mit dem Hinweis „Inkasso“. In diesem Schreiben wird der Empfänger dazu aufgefordert, insgesamt 770 Euro zu bezahlen. Doch sofern er innerhalb von drei Tagen überweise, gebe es ein Vergleichsangebot in Höhe von 280 Euro. Begründet wird die Forderung mit einer Sammelklage mehrerer Gewinn- und Zeitschriftenverlage (u. a. NKL, Lottoland und 6 aus 49). Gezahlt werden soll die Summe auf ein bulgarisches Konto.

Beraterin Ingrid Waltring von der Verbraucherzentrale.

„Der Inhalt des Schreibens ist absoluter Nonsens. Viele Personen lassen sich aber durch große Begriffe wie ,Bundesrepublik Deutschland‘, ,Zwangsvollstreckung‘, oder ,Sammelklage‘ abschrecken“, sagt Ingrid Waltring von der Verbraucherzentrale. Ihre Recherche ergab, dass es zwar eine Firma „ECE Solution“ mit gültiger Zulassung in Deutschland gibt. Doch diese hätte ihren Sitz nicht unter der angegeben Adresse in Bielefeld. Briefe an diese Adresse kamen mit einem Unzustellbarkeits-Hinweis zurück. Auch die Mailadresse und die Telefon-Nummer führten ins Leere.

In vielerlei Hinsicht Mängel

Daneben weise die Zahlungsaufforderung in vielerlei Hinsicht Mängel auf. „Ein Inkassounternehmen muss immer durch einen speziellen Klienten beauftragt sein und nicht wie hier in Form einer Sammelklage“, deutet Waltring nur einen der Fehler an. „Spätestens wenn ich mein Geld aber nach Bulgarien überweisen soll, müssen die Alarmglocken angehen. Das Geld ist dann natürlich unwiederbringlich weg.“

In einem anderen Fall geben sich Personen als Mitarbeiter der Stadtwerke aus und klingeln an Haushalten mit offensichtlich nicht-deutschem Hintergrund. Dort machen sie sich die Unkenntnis der Bürger über Gesetze und Sprache zunutze und verlangen nach der Zählernummer des Haushalts. Den genauen Hintergrund nennen die vermeintlichen Stadtwerke-Mitarbeiter nicht.

Unterschrift auf einem Tablet

Am Ende müssen die Anwohner auf einem Tablet unterschreiben – angeblich, um die Datenerfassung zu bestätigen. In Wirklichkeit schließen die Bewohner allerdings einen Vertrag mit einem Energieversorger ab. Einen eigentlich notwendigen Ausdruck über die Widerrufsbelehrung gibt es nicht.

„Diese Methode ist nicht neu. Aber, dass jetzt ein Tablet benutzt wird, das ist schon eine neue Qualität“, sagt Waltring. So sinnvoll ein Versorger-Wechsel manchmal sei – in diesem Fall zahlten die Anwohner drauf. „Wer wirklich günstiger ist, der schaltet auch reguläre Werbung“, meint Waltring.


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