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Rheine

Farbtupfer fürs Gesicht nähen

„Gesichtsdeko-Engel“ aus Rheine wollen Einrichtungen unterstützen

Sonntag, 5. April 2020 - 16:00 Uhr

von Max Bertemes

Bilder von Stoffen, Freude darüber, dass endlich der Schrägbandformer zum Einsatz kommen kann und fertig verpackte Lieferungen in Kisten, die auf Abholung warten: In der WhatsApp-Gruppe der „Gesichtsdeko-Engel“ aus Rheine ist in diesen Tagen mächtig was los. Die Gruppe mit mittlerweile über 50 Teilnehmern (überwiegend Frauen) hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Gesichtsdeko“ für diejenigen zu nähen, „die uns tagtäglich helfen und die sich schützen möchten“, wie es die Initiatorin der Gruppe Yvonne Eilert-Bülter auf den Punkt bringt – kostenlos. Gerichtet ist die Aktion an Einrichtungen wie Pflegeheime, Kindergärten oder Krankenhäuser, die aktuell keine Masken mehr kriegen können, weil sie vergriffen sind.

Bunt und vielfältig

Sie und ihre Mitstreiterinnen nähen fleißig Stoff zurecht, der in Zeiten der Corona-Krise vor einer Tröpfchen-Infektion schützen soll. Von Masken will die Gründerin der Gruppe aber nicht sprechen: „Wir können kein medizinisches Produkt liefern“, betont sie. Damit diejenigen, die sich schützen wollen, nicht zu trist und furchteinflößend wirken, hat die Gruppe es sich zur Aufgabe gemacht möglichst bunt und vielfältig zu arbeiten: Daher der Name Gesichtsdeko.

Gegründet hat die Rheinenserin die Gruppe vor einer Woche. Das ging in Windeseile: „Ich habe mit einer Bekannten aus der Pflege gesprochen, die mir erzählt hat, dass sowas gerade gesucht wird.“ Daraufhin eröffnete sie die Gruppe, lud ein paar Leute ein, die sie kennt, die wiederum andere einluden: Virale Verbreitung mal anders. Jetzt tummeln sich in der Gruppe Frauen, die zusammenarbeiten, obwohl sie sich zum Großteil vorher gar nicht kannten. „Es ist schön zu sehen, wie schnell wildfremde Menschen zusammenarbeiten können“, sagt Eilert-Bülter. Wenn alles überstanden ist, soll eine große Party gefeiert werden, auf der alle sich persönlich kennenlernen können, erzählt sie lachend.

Mehrfach verwendbar

Dass sie helfen wollen, war für viele in der Gruppe selbstverständlich. „Es hat mich positiv überrascht, dass die Idee so eingeschlagen ist“, erzählt Eilert-Bülter. In der Gruppe tummeln sich neben den „Nähbienen und Zuschneidebienen“ auch die Spender von Stoff, Garn und Draht, der für unterschiedliche Zuschnitte notwendig ist. Ein Vorteil: „So können wir aus altem Stoff noch etwas nützliches machen.“ Da die Gesichtsdeko nicht viel Stoff braucht, kann auch Verschnitt von anderen Projekten hergenommen werden – Hauptsache bunt und vielfältig. Ein weiterer Vorteil vom Stoff: Die Dekos sind waschbar und können mehrfach verwendet werden.

„Gerne dürfen sich Altenheime, Pflegedienste melden, die Interesse an Gesichtsdeko haben“, sagt Eilert-Bülter. Die Masken werden natürlich gespendet, wie die Rheinenserin betont. „Es geht darum, dass diejenigen sich schützen können, die es gerne möchten. Vom Pfleger über den Arzt bis hin zur Sprechstundenhilfe.“ Gegründet wurde die Gruppe um Einrichtungen mit Gesichtsdeko zu versorgen. Fast schon folgerichtig haben unter anderem das Mathias-Spital und das Mathias-Stift in Mesum bereits eine Spende mit bunten Bedeckungen erhalten.

Weitere Helfer gesucht

Angelaufen ist das Projekt bisher sehr gut. Jetzt braucht die Initiatorin weitere helfende Hände, Materialspender und natürlich auch Interessenten oder Abnehmer. „Es geht auch darum in dieser Zeit etwas Festes, etwas Greifbares zu machen, das hilft. Und wenn es nur als Übergangslösung ist, bis es wieder Masken gibt“, betont Eilert-Bülter. Es gehe auch darum, Wertschätzung für die Berufsgruppe zu zeigen, die weiterhin im Einsatz sind und teilweise mit Risikogruppen zusammenarbeiten.

Ideen und Motivation gibt es reichlich in der Gruppe. „Manchmal muss man Dinge einfach nur anpacken“, sagt die Initiatorin lachend. Ein buntes Projekt als „Farbtupfer in dieser erschreckend ruhigen Zeit“, wie es Eilert-Bülter nennt.

Maskenpflicht

Die Maskenpflicht gibt es aktuell nicht in Rheine oder in NRW. Als die Masken in den Drogerien und Apotheken knapp wurden, waren sich Forscher schnell einig: Bringt nichts. Mittlerweile gilt die Devise, dass solche Masken keinen kompletten Schutz bieten können, dass sie aber durchaus dazu in der Lage sind Tröpfchen aus Mund und Nase aufzufangen – oder zumindest einen großen Teil davon. Dennoch sollen – auch mit Maske – weiterhin die geltenden Abstandsregeln und Hygiene-Vorschriften eingehalten werden.

Wer den Gesichtsdeko-Engeln gerne unter die Arme greifen will (Als Zuschneider, Näher oder als Materialspender), erreicht die Gruppe per E-Mail: gesichtsdeko-engel@web.de


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