Rheine

„Masken werden aktuell wie Gold gehandelt“

Vorsicht: Textilmasken können falsche Sicherheit vorspiegeln

Donnerstag, 26. März 2020 - 16:00 Uhr

von Matthias Schrief

Foto: privat

Die Nachfrage nach Atemschutzmasken ist infolge der Ausbreitung des Coronavirus rasant gestiegen. „Die werden aktuell gehandelt wie Gold“, sagt Tobias Wolters, in Rheine Facharzt für Arbeitsmedizin. Doch Vorsicht: Nicht jede Maske ist ihr Geld wert. Und auch für die in Heimarbeit genähten Textilmasken, die freundliche Helfer in bester Absicht anbieten, gilt: Sie sind kein verlässlicher Schutz vor dem Coronavirus.

„Falsche Sicherheit“

Professionelle Atemschutzmasken sind sogenannte persönliche Schutzausrüstung (PSA) und „und unterliegen auch dem Medizinproduktegesetz“, sagt Wolters. Sie unterliegen strengen Qualitäts- und Leistungsanforderungen und müssen für den Europäischen Markt von unabhängigen Stellen geprüft und zertifiziert werden. Nur dann darf der Hersteller sie mit dem CE-Kennzeichen versehen und in Europa vertreiben. Im privaten Bereich darf natürlich jeder nach eigenen Möglichkeiten schützen, wie er will. Und ganz ohne Wirkung sind Textilmasken auch nicht. „Jeder Schutz minimiert das Risiko“, sagt Wolters. Deutlich sagt der Facharzt aber auch, dass die selbst genähten Papier- oder Textilmasken eine „falsche Sicherheit vorspiegeln“.

Unterschiedliche Güte

Wolters verweist dabei auf Fachliteratur, in denen die Wirkung von Papier-, Chirurgischen- und Atemschutzmasken unterschiedlicher Güte auf ihre Filterwirkung mit Blick auf die mikroskopisch kleinen Viren untersucht wurden. Ohne den Laien mit Millimeter- oder Mikrometer-Dimensionen zu belasten, findet Wolters einen plakativen Vergleich, um die Wirkung von selbst genähten Textilmasken zu beschreiben: „Stellen Sie sich das Virus als Briefmarke vor. Die selbst genähte Textilmaske hat dann die Durchlässigkeit eines Scheunentores.“

Aus verschiedenen Altersheimen sei die Anfrage an seine Praxis gerichtet worden, ob die selbstgenähten Textilmasken eingesetzt werden können. „Da müssen wir dann jeweils auf die geltenden Biostoffverordnung verweisen und mitteilen, dass die Masken nicht für das Personal und auch nicht für die Patienten zugelassen sind.“

Angemessenes Gesundheits- und Sicherheitsniveau

In einer Pressemitteilung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wird zudem auf den neuen Schnelltest für Pandemieatemschutz hingewiesen. Dort heißt es: Für die Dauer der derzeitigen Sars-Cov-2-Pandemie hat die Europäische Kommission am 13. März 2020 den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, zur Versorgung der medizinischen Fachkräfte auch Atemschutzmasken ohne CE-Kennzeichnung einzukaufen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Atemschutzmasken ein angemessenes Gesundheits- und Sicherheitsniveau gewährleisten. Das vom Institut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) und der DEKRA entwickelte Prüfverfahren soll diesen Nachweis schnell möglich machen.

Mundschutz oder Atemschutz-Maske?

Wo liegt der Unterschied? Diese Grafik der DGUV klärt auf:

Mundschutz oder Atemschutz-Maske (86 kB)


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.