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Rheine

Warum die Behörden nun Masken empfehlen

Interview mit der Rheiner Mikrobiologin Dr. Jana Schroeder

Freitag, 3. April 2020 - 18:30 Uhr

von Matthias Schrief

Die „Proflow“-Atemschutzsysteme eignen sich zur ständigen Anwendung im Bereich mit den Covid-19-Patienten. Unser Bild zeigt die beiden Mediziner Jan Engbrink (r.) und Christoph Hartger im Mathias Spital.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in der Coronakrise seine Einschätzung für das Tragen von Mundschutz geändert. Im schriftlich geführten Interview mit MV-Redakteur Matthias Schrief erläutert Dr. Jana Schroeder, Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital, die Hintergründe – und geht auf selbst genähte Masken ein.

Können Sie erläutern, welche Überlegungen das RKI zu dieser veränderten Lageeinschätzung kommen lässt?


Jana Schroeder: In unserem Kulturkreis ist das Tragen von Gesichtsmasken nicht üblich und bisher sind die einlagigen Mund-Nasenschutze (MNS) immer nur als Fremdschutz genutzt worden. Wenn aber alle diese tragen, wird es ja doch wieder eine Art „Solidarischer Eigenschutz“. Ich glaube, dass dies und die dynamische Lage dieser Pandemie die Überlegungen des RKI geleitet hat.

Es gibt verschiedene Maskenvarianten. Welche Typen gibt es genau? Und in welchen Bereichen sind die unterschiedlichen Typen jeweils sinnvoll?

Schroeder: Grundsätzlich werden die Masken in FFP (filtering face piece) eingeteilt. Die FFP1 Maske ist der gängige „OP-Mundschutz“, FFP2 und 3 sind dann höhere Schutzgrade, die zum Eigenschutz im Krankenhaus dienen. Das RKI schreibt dazu: „Das Tragen von Behelfsmasken durch Personen, die öffentliche Räume betreten, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, z.B. ÖPNV, Lebensmittelgeschäften oder auch ggf. am Arbeitsplatz, könnte dazu beitragen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. Darüber hinaus könnten Behelfsmasken das Bewusstsein für „physical distancing“ und gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen. Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass ein MNS oder die Behelfsmaske korrekt sitzt (das heißt eng anliegend getragen wird), bei Durchfeuchtung gewechselt wird, und dass während des Tragens keine (auch keine unbewussten) Manipulationen daran vorgenommen werden. Auf keinen Fall sollte das Tragen eines MNS oder einer Behelfsmaske dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder Husten- und Niesregeln bzw. die Händehygiene nicht mehr umgesetzt werden.“

Schützt ein MNS oder eine Behelfsmaske zum Beispiel aus Stoff den Träger vor Ansteckung mit dem Coronavirus?

Schroeder: Das RKI schreibt dazu: „Es ist zu vermuten, dass auch Behelfsmasken das Risiko verringern können, andere anzustecken, weil sie die Geschwindigkeit der Tröpfchen, die durch Husten, Niesen oder Sprechen entstehen, reduzieren können. Eine solche Schutzwirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt. Bei Personen, die an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankt sind, kann das Tragen eines MNS oder einer Behelfsmaske durch diese Person dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verringern. Nicht jeder, der mit SARS-CoV-2 infiziert ist, bemerkt das auch. In der Regel sind Betroffene bereits mit sehr leichten Symptomen ansteckend. Manche Infizierte erkranken gar nicht (asymptomatische Infektion), könnten den Erreger aber trotzdem ausscheiden. In diesen Fällen könnte das vorsorgliche Tragen von Behelfsmasken dazu beitragen, das Übertragungsrisiko zu vermindern.“ Das teile ich uneingeschränkt.

Viele Menschen zum Beispiel in einem Lebensmittelmarkt haben sehr viele Sozialkontakte, manchmal auch auf engem Raum. Wären bei diesen Personengruppen nicht auch zum Selbstschutz FFP2-Masken von Vorteil?

Schroeder:Die FFP2-Masken sind derzeit ausschließlich dem medizinischen Personal vorbehalten. Die oben beschriebenen Maßnahmen der allgemeinen Hygiene sind im Alltag ausreichend.

Wie ist die Materiallage? Das medizinische Personal ist inzwischen ausreichend mit Schutzkleidung und Schutzmasken ausgestattet?

Schroeder: Für das medizinische Personal ist derzeit ausreichend Material vorhanden, da sich die Märkte in China offenbar entspannen, erwarten wir demnächst auch weitere Lieferungen.

Ganz ehrlich: Tragen Sie beim Einkauf Ihrer Lebensmittel im Supermarkt eine Maske?

Schroeder: Ja, alle Mitarbeiter der Stiftung Mathias Spital tragen den ganzen Tag in allen Bereichen Masken. In patientenfernen Bereichen teilweise gespendete, genähte Masken, in patientennahen Bereichen den gängigen OP-Mundschutz – schon bevor die RKI-Empfehlung raus kam. Ich habe mich da schon gut dran gewöhnt und trage die Maske als hoffentlich gutes Vorbild für andere auch beim Einkaufen. Wie beschrieben, ist diese Maßnahme am sinnvollsten, wenn alle mitmachen.


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