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Meistgesuchter Drogenboss in Kolumbien gefasst

Sonntag, 24. Oktober 2021 - 06:41 Uhr

von dpa

Auf diesem vom Pressebüro des kolumbianischen Präsidenten veröffentlichten Foto steht einer der meistgesuchten Drogenbosse des Landes, Dairo Antonio Usuga (M) alias „Otoniel“, Chef des sogenannten Golfclans, auf einem Militärstützpunkt. Foto: Uncredited/Colombian presidential press office/AP/dpa

Bogotá (dpa) - Kokain, Morde und Vertreibung: Dairo Úsuga alias „Otoniel“ hat eines der stärksten Verbrechersyndikate Kolumbiens angeführt. Präsident Iván Duque vergleicht seine Festnahme mit dem Fall von Escobar. Kolumbianische Sicherheitskräfte haben Dairo Antonio Úsuga alias „Otoniel“, den obersten Chef des kolumbianischen Drogenkartells „Clan del Golfo“ (Golf-Clan) und einen der mächtigsten Drogenhändler des südamerikanischen Landes, gefasst.

„Es ist der entscheidendste Schlag, der dem Drogenhandel in diesem Jahrhundert versetzt wurde“, sagte der kolumbianische Präsident Iván Duque, der mit Superlativen nicht sparte, in einer Pressekonferenz am Samstag (Ortszeit). „Er ist nur mit dem Fall von Pablo Escobar in den 1990er Jahren vergleichbar.“

Der legendäre Drogenbaron, dessen Name in Kolumbien immer noch wie Donnerhall klingt, starb 1993 bei einem Polizeieinsatz über den Dächern von Medellín. Úsaga, besser bekannt als „Otoniel“, wurde in seinem Dschungel-Versteck in der Region Uraba im Nordwesten des Landes festgesetzt, in Handschellen der Öffentlichkeit vorgeführt und mit einem Hubschrauber nach Bogotá gebracht.

„'Otoniel' war der am meisten gefürchtete Drogenboss der Welt, ein Mörder von Polizisten, Soldaten und örtlichen Aktivisten und hat Kinder angeworben“, sagte der kolumbianische Präsident Duque weiter bei der Pressekonferenz. Seine Festnahme bedeute das Ende des Golf-Clans. Zugleich rief Duque, ein Hardliner, die verbliebenen Mitglieder auf, sich entweder zu stellen oder „das volle Gewicht des Gesetzes“ zu verspüren.

Úsuga wurde nach fast zehn Jahren, in denen er sich gejagt unter anderem von einer Spezialeinheit der Sicherheitskräfte zwischen Luxusleben und ständigen Ortswechseln bewegte und dabei oftmals im Dschungel aufhielt, gefasst. An der Operation „Osiris“, die letztlich zu seiner Festnahme führte, waren mehr als 500 Angehörige von Militär, Polizei und Staatsanwaltschaft Kolumbiens sowie die USA und Großbritannien mit Informationen beteiligt.

Für Hinweise, die zu seinem Aufenthaltsort und seiner Ergreifung führen, waren in Kolumbien bis zu drei Milliarden Pesos, umgerechnet 700.000 Euro, ausgesetzt gewesen. Die US-Regierung hatte dafür fünf Milliarden Dollar geboten. Dem 50-Jährigen werden neben Drogenhandel auch Mord, Erpressung, Entführung, Verschwörung und die Rekrutierung Minderjähriger vorgeworfen. Gegen ihn liegen laut Duque Auslieferungsanträge vor.

Sein „Clan del Golfo“, hervorgegangen aus rechtsgerichteten Paramilitärs, gilt als eine der stärksten Drogenorganisationen Kolumbiens, auf deren Konto der tonnenweise Schmuggel vor allem von Kokain nach Mittel- und Nordamerika geht. Zudem ist er in illegalen Bergbau und Schutzgelderpressung verwickelt und für zahlreiche Morde und Vertreibungen verantwortlich.

Kolumbien litt mehr als 50 Jahre unter einem Bürgerkrieg zwischen Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Mehr als 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden innerhalb Kolumbiens vertrieben. Die größte Rebellen-Organisation Farc schloss 2016 einen Friedensvertrag mit der Regierung.

Die Sicherheitslage in dem südamerikanischen Land hat sich seitdem verbessert. Aber der Frieden ist fünf Jahre nach dem Abkommen brüchig: Die kleinere Guerillagruppe ELN ist noch immer aktiv; auch Tausende ehemalige Farc-Kämpfer und Verbrechersyndikate wie der Golf-Clan, die in das entstandene Vakuum vorgestoßen sind, liefern sich bewaffnete Kämpfe untereinander, mit Polizei und Streitkräften.

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