Kreis Steinfurt

Wenn der nette „Polizist“ Geld verlangt

Kreispolizei warnt die Senioren vor perfiden Betrügern

Dienstag, 16. Februar 2021 - 17:45 Uhr

von Michael Hagel

Foto: Michael Hagel

Der Ort ist klug gewählt: Im Impfzentrum des Kreises Steinfurt im Flughafen Münster/Osnabrück warnt die Kreispolizei aktuell mit einem üppig ausgestatteten Infostand vor den neuesten kriminellen Tricks von Telefonbetrügern. Nirgendwo sonst würde die Polizei ihre Zielgruppe, die Seniorinnen und Senioren, so punktgenau erreichen wie am FMO, wo aktuell die Über-80-Jährigen aus dem Kreisgebiet geimpft werden.

Zuletzt Opfer in Emsdetten

Polizei-Pressesprecherin Heike Piepel, Landrat Dr. Martin Sommer als Behördenleiter und Karlheinz Wessel als Leiter des Kriminalkommissariats Prävention und Opferschutz erklärten am Dienstagmittag in der mittäglichen Impfpause im FMO-Terminal 1, warum die Aufklärung alter Menschen vor Telefonbetrügern so dringlich ist. „Erst vor einigen Tagen hat eine alte Frau aus Emsdetten wieder eine hohe Summe an einen Unbekannten ausgehändigt“, so Heike Piepel. Vorausgegangen war ein Anruf eines falschen „Polizisten“, der sie dazu aufforderte.

„Es ist manchmal schwierig, an die potenziellen Opfer heranzukommen.“

Heike Piepel, Polizei-Pressesprecherin

Immer wieder gehen alte Menschen im Kreis (und anderswo) solchen Ganoven auf den Leim. Der inzwischen berühmt-berüchtigte „Enkeltrick“, falsche „Polizeibeamte“ sowie bestimmte Gewinnversprechen sind aktuell besonders beliebt. Der Landrat nannte ein paar Zahlen: „2020 hatten wir kreisweit 37 vollendete und 313 versuchte Taten, in diesem Jahr gab es bis dato 50 Taten, von denen 20 erfolgreich waren.“ Die Gesamtschadenssumme, so Sommer weiter, liege im beträchtlichen sechsstelligen Bereich.

Trotz diverser Präventionsprogramme in der Vergangenheit gelang es der Polizei bis heute nicht, diese Art des Telefonbetrugs in den Griff zu kriegen. Auch, weil es mitunter schwierig sei, so Piepel, „an die potenziellen Opfer heranzukommen.“ Deshalb nun der Gang ins Impfzentrum im Flughafen. Dort müssen sukzessive nahezu alle älteren Menschen, die nicht in Pflegeheimen leben, hinkommen, wenn sie sich denn gegen das Coronavirus impfen lassen wollen.

Videos und Aufklärungsfilm

Entsprechend offensiv ist der Infostand platziert: an der Schnittstelle von Impfbereich und Ruhezone, in der sich die Geimpften die ersten 20 bis 30 Minuten nach ihrer Impfung aufhalten. Auf zwei großen Bildschirmen laufen Videos und ein kleiner Aufklärungsfilm. Es gibt hinreichend Infobroschüren und Merkblätter, die alle wichtigen Tipps und Hinweise komprimiert aufbereiten.

Dass der Kreis Steinfurt mit seinen gut 30.000 über 80-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern überproportional von Telefonbetrug betroffen ist, können Heike Piepel und Karlheinz Wessel nicht bestätigen. Generell stimme aber die Gleichung: Je älter die Bevölkerung im Schnitt, desto anfälliger ist sie für Telefonbetrügereien.

Weil das so ist, soll der Infostand im FMO-Impfzentrum vor allem eine Eigenschaft bei den älteren Menschen, zu denen nicht nur die Über-80-Jährigen gehören, fördern: gesundes Misstrauen. Am Telefon ebenso wie an der Haustür. Eine Info in eigener Sache liegt den Ordnungshütern dabei naturgemäß ganz besonders am Herzen: „Die Polizei fordert niemals Bargeld oder Wertsachen!“

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