Münsterland

„Duitsers, blijf weg uit Enschede“

Deutsche sollen Tag der Deutschen Einheit zu Hause feiern

Donnerstag, 1. Oktober 2020 - 07:30 Uhr

von Frank Zimmermann

Foto: pixabay

Der Bürgermeister von Enschede hat die Deutschen gebeten, am Tag der Deutschen Einheit nicht in den Niederlanden einkaufen zu gehen (Symbolfoto).

Der Bürgermeister von Enschede, Onno van Veldhuisen, hat die Deutschen gebeten, am Tag der Deutschen Einheit nicht in den Niederlanden einkaufen zu gehen: „Duitsers, blijf weg uit Enschede“ (Deutsche, haltet euch von Enschede fern), zitiert ihn die niederländische Zeitung Twentsche Courant Tubantia. Er bezeichnete die Sperrung seiner Stadt als „theoretische Option“. Am Mittwoch bat der Pressesprecher der Stadt Enschede, Ton Kamp: „Obwohl wir alle gastfreundlich empfangen möchten, bitten wir Sie, diesen Samstag nicht nach Enschede zu reisen.“ Er begründete das mit den rapide steigenden Corona-Infektionen in den Niederlanden. Sollten am Samstag zu viele Menschen in die Innenstadt von Enschede und auf den Markt kommen, könnten Teile der Stadt oder des Marktes (vorübergehend) geschlossen werden.

Zuvor hatte bereits der Bürgermeister von Winterswijk, Joris Bengevoord, für Samstag angekündigt, dass „die Polizei, Ordnungshüter und die Königlich Niederländische Militärpolizei verstärkt auf die Einhaltung der neuen Corona-Maßnahmen achten“. Er freue sich zwar über deutsche Kunden in seiner Stadt, aber für Samstag appelliert er: „Gehen Sie bitte nach Hause, wenn es zu voll ist und kommen Sie später wieder. Und kaufen Sie gezielt. Gehen Sie jetzt nicht zum Spaß einkaufen.“

Die niederländische Regierung hatte die Corona-Maßnahmen erst am Anfang der Woche verschärft. Unter anderem müssen alle Sportveranstaltungen ohne Publikum stattfinden. Cafés und Restaurants müssen um 22 Uhr schließen und dürfen ab 21 Uhr keine neuen Gäste mehr einlassen. Außerdem dürfen nur noch 30 Menschen zugleich in einem Lokal sein, im Freien 40.

Auch Bezirksregierung Münster warnt

Vor dem Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober), den viele Bürger für Freizeitaktivitäten und Ausflüge nutzen werden, verstärkt auch die Bezirksregierung Münster ihre Appelle, die Corona-Schutzregeln zu befolgen. Mit einem neuen zweisprachigen Plakat wirbt sie auf Deutsch und Niederländisch für das Einhalten der „AHA“-Formel: Abstand halten, Handhygiene, Alltagsmaske. Angesichts der aktuell weiter steigenden Infektionszahlen rät die Bezirksregierung zudem, auf unnötige Ausflüge und Einkaufsfahrten in die benachbarten Niederlande zu verzichten. Das Plakat neue mit dem Titel „Gute Nachbarn passen aufeinander auf! / Goede buren zorgen vor elkaar“ wurde auch den Pressestellen der Kreise und Großstädte im Regierungsbezirk sowie den niederländischen Grenzregionen zur Verfügung gestellt. Die grenznahen niederländischen Provinzen Drenthe, Overijssel, Gelderland und Limburg werden vom Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit nicht als Risikogebiete eingestuft. In vielen niederländischen Städten und Gemeinden der Grenzregion liegen die Inzidenzzahlen aktuell (Stand: 30. September) jedoch bereits zwischen 50 und 80 Infizierte pro 100.000 Einwohner, teils auch deutlich höher. Offiziell hat das RKI im Nachbarland die Provinzen Nordholland (Noord-Holland, seit 16. September), Südholland (Zuid-Holland, seit 16. September) und Utrecht (seit 23. September) sowie die autonomen Gebiete Aruba (seit 26. August) und St. Maarten (seit 26. August) als Risikogebiete eingestuft. Das an die Niederlande und den Süden von NRW angrenzende Belgien gilt seit dem 30. September vollständig als Risikogebiet. In den Niederlanden gilt in vielen öffentlichen Bereichen künftig eine Maskenpflicht, die niederländische Regierung informiert darüber am Freitag, 2. Oktober, um 18 Uhr. Museen und Freizeiteinrichtungen verlangen eine Online-Anmeldung, Restaurants erheben Personendaten und schließen früher. Privat dürfen nicht mehr als drei Gäste empfangen werden, in geschlossenen Räumen dürfen sie maximal 30 Personen aufhalten.

Foto: Bezirksregierung Münster

Mit einem neuen zweisprachigen Plakat wirbt die Bezirksregierung auf Deutsch und Niederländisch für das Einhalten der „AHA“-Formel.

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