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Münsterland

Planmäßige Ankunft 2030

Das Projekt „S-Bahn Münsterland“ startet

Dienstag, 3. Dezember 2019 - 08:00 Uhr

von Gunnar A. Pier

Foto: Gunnar A. Pier

Sie haben einen Plan (von links): Kai Zwicker (Landrat Kreis Borken), Markus Lewe (Oberbürgermeister von Münster), Olaf Gericke (Landrat Kreis Warendorf), Joachim Künzel (NWL-Geschäftsführer), Klaus Effing (Landrat Kreis Steinfurt) und Linus Tepe (Kreisdirektor Kreis Coesfeld) stellten am Montag das Projekt „S-Bahn Münsterland“ vor.

Der Wunschzettel ist so groß wie ein Plakat. „Projekt S-Bahn Münsterland“ steht darüber, zu sehen ist ein S-Bahn-Plan, der einer Großstadt alle Ehre machen würde. Doch die Stationen heißen nicht Ku´damm, Stachus oder Elbphilharmonie, sondern Billerbeck und Albersloh: Das Bus- und Bahn-Angebot im Münsterland soll innerhalb von zehn Jahren deutlich attraktiver werden. Ein großer Wunsch – aber die Landräte der Münsterland-Kreise und Münsters Oberbürgermeister hoffen nicht aufs Christkind, sondern nehmen die Sache selbst in die Hand: Am Montag stellten sie den Plan vor.

Kaum mehr als der Ist-Zustand

Was auf den ersten Blick einen ungewohnt großstadthaften Eindruck macht, scheint beim näheren Hinsehen kaum mehr zu sein als der Ist-Zustand – nur mit hipperen Namen. S6 und S8 statt RB und RE, ansonsten sind es die bekannten Bahnlinien. Erst die euphorischen Erläuterungen der Münsterland-Landräte, die am Montag das Projekt vorstellten, machten die Dimensionen klar: Auf allen Strecken soll künftig mindestens alle 30 Minuten ein Zug fahren, zudem ein schnellerer Regionalexpress pro Stunde.

Strecke nach Rheine hat Zielzustand schon fast erreicht

Anrainer der Strecken Richtung Rheine und Recklinghausen beeindruckt das weniger, weil die Verbindungen dort schon sehr gut sind. Oder, wie NWL-Geschäftsführer Joachim Künzel es formuliert: „Auf einigen Ästen haben wir den Zielzustand schon fast erreicht.“ Auf anderen Linien verkehren die Züge deutlich seltener, etwa nur stündlich – da fahren viele lieber Auto.

Und genau das soll mehr und mehr vermieden werden. „Wir möchten Autofahrer begeistern, auf Bus und Bahn umzusteigen“, erklärt Lewe. Und das freilich ohne jede Miesepetrigkeit: „Wir wollen das Auto nicht verteufeln und Bus und Bahn verherrlichen“, betont der Warendorfer Landrat Olaf Gericke. Gerade im ländlichen Raum werde es schwierig, komplett aufs Auto zu verzichten. „Wir müssen also das eine tun, ohne das andere zu lassen: Wir brauchen trotzdem Umgehungsstraßen.“ Wichtig ist es auch, die „letzte Meile“ zu organisieren, also den Weg zum Bahnhof oder vom Bahnhof zum eigentlichen Ziel. All das wird nun mit geplant.

Einheitlicher Standard

Zurück zum Zug: Bis 2030 soll es einen einheitlichen Standard geben auf den Münsterland-Linien, die deutlich besser aufeinander abgestimmt werden. Dreh- und Angelpunkt wird Münster. Die Haltestellen Münster-Nord und Münster-Hiltrup werden eine stärkere Rolle spielen, um den Hauptbahnhof zu entlasten.

Damit die Wünsche des großen Wunschzettels in Erfüllung gehen, wollen die Kreistage und die NWL-Verbandsversammlung das Konzept schnell beschließen, danach geht es an die Umsetzung. Schritt für Schritt soll konkret geplant und verschiedene Zuschussgeber wie Land, Bund und EU angezapft werden. Im Raum steht ein dreistelliger Millionenbetrag.

Das alles will sorgsam geplant sein, denn alle sind sich einig: Es ist niemandem geholfen, wenn plötzlich mehr Menschen Bahn fahren als das System aufnehmen kann. Dann wäre er nicht behoben, sondern nur von der Straße auf die Schiene verlagert: der drohende Verkehrsinfarkt im Münsterland. Kommentar

Kommentar von Gunnar A. Pier

Es ist viel gewonnen

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, hat Helmut Schmidt einmal gesagt – und das klang eher nach „Ibu 400“ gegen die Symptome als Physio gegen die Ursachen. Die Münsterland-Kreise aber wollen mit ihrer Vision die Gründe für ÖPNV-Muffeligkeit beseitigen. Gut so!

Die Reise mit Bus und Bahn muss einfacher werden – und das scheint das Projekt auch zu bringen. Wenn mehr Züge fahren und es problemlos möglich ist, Anschluss zu finden, ist viel gewonnen. Die verbesserte Infrastruktur soll zu weniger Störungen führen und die Bahn verlässlicher machen – dann ist ein weiteres Ärgernis aus dem Weg geräumt. Damit die Menschen all das wahrnehmen, gibt´s die flotte „S-Bahn“-Terminologie. Auch gut. Man muss es auch verkaufen.

Über eins aber wurde am Montag gar nicht gesprochen: die Fahrpreise. Bus und Bahn sind gerade auf der kurzen Strecke zu teuer. Also: Spätestens wenn irgendwann alles funktioniert, muss der ÖPNV auch erschwinglich werden. Noch so eine Vision.


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