Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
Münsterland

Tatverdächtiger nach Flaschenwurf aus Partyzug ermittelt

Kleinkind ist außer Lebensgefahr

Montag, 4. November 2019 - 07:39 Uhr

von dpa

Foto: Günter Benning

Im Bahnhof Greven stoppte die Polizei den Zug.

Nach der schweren Kopfverletzung einer Zweijährigen durch eine umherfliegende Whiskyflasche am Bahnhof in Kamen ist laut Polizei ein Tatverdächtiger ermittelt worden. Wie die Polizei Dortmund am Sonntagabend mitteilte, wurde im Zuge von Zeugenbefragungen ein 31-Jähriger aus dem Partyzug ermittelt, aus dem die Flasche geworfen worden sein soll. Der Mann sei nach einer Vernehmung entlassen worden. Der Mann hat sich auf der Rückfahrt der Polizei gestellt. Laut Polizei sagte der 31-Jährige, die Flasche habe im Zugabteil nahe am Fenster gestanden und sei hinaus geflogen, als er mit einem danebenliegenden Koffer hantierte, teilten die Ermittler am Montag mit.

Die Polizei spricht von einem immensen Ermittlungsaufwand, zu dem die Zeugenbefragung gehöre. So waren zwei Kripo-Beamte am Sonntag erneut in den zurückreisenden Zug eingestiegen und hatten unter anderem Lautsprecherdurchsagen eingesetzt. Der Deutsche sei vernommen und dann wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ihm wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Nach Operation außer Lebensgefahr

Das kleine Mädchen wurde am späten Freitagvormittag plötzlich von einer Flasche getroffen, als der Vater mit dem Kleinkind auf dem Arm die Bahnhofstreppen zum Gleis hinaufging. Rettungskräfte brachten es ins Krankenhaus. Das Kleinkind ist nach einer Operation außer Lebensgefahr.

Die Flasche flog nach den ersten Erkenntnissen der Polizei aus einem Partyzug, der gerade den Bahnhof in Kamen durchfahren hatte. Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Flasche aus dem Zug geworfen wurde, allerdings nicht gezielt auf einen Menschen. „Wir haben keinen Anhaltspunkt für ein gezieltes Werfen“, erläuterte Henner Kruse, der Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Die Behörden ermitteln in dem Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Passagiere verhalten sich sehr kooperativ

Der Partyzug fuhr am Freitag zunächst weiter, im etwa 65 Kilometer entfernten Greven wurde er gestoppt. Die Bundespolizei rückte mit einem Großaufgebot mit Beamten aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland an. Dutzende Polizisten nahmen die Personalien der Reisenden des Partyzuges auf. Die Passagiere verhielten sich dabei sehr kooperativ, schilderte ein Sprecher der Bundespolizei.

Der Zug konnte nach der Überprüfung am Freitagabend Richtung Norden weiterfahren – ohne eine Festnahme. Die Stimmung im Zug war nach dem Bekanntwerden des Vorfalls Berichten zufolge getrübt. Die DJs hätten die Musik im Tanzwagen abgedreht, berichtete ein Mitreisender. Als die Fahrt weiterging, sei die Musik nur noch gedämpft gelaufen.

Der Veranstalter Müller-Touristik will die Behörden bei der Aufklärung unterstützen. „Die ermittelnden Behörden haben unsere volle Unterstützung und erhalten von uns alle Informationen, die sie benötigen“, erklärte der Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG in Münster, Bernd Niemeyer, in einer schriftlichen Stellungnahme am Samstag. Das Unternehmen verurteile die Tat zutiefst und wünsche dem Mädchen eine baldige und vollkommene Genesung.

Kein Recht zur Taschenkontrolle

An Bord des Partyzugs, der am Freitag in Köln mit rund 500 Personen gestartet und Norddeich Mole als Ziel gehabt habe, sind nach Angaben des Veranstalters verschiedene einzelne Gruppen gewesen. Getränke an Bord würden in weichen Pfandbechern aus biologisch abbaubarem Material ausgegeben. Grundsätzlich sei das Mitbringen von Getränken und Speisen nicht untersagt. „Ein Recht zur Taschenkontrolle haben wir als Reiseveranstalter nicht.“ Einige Fenster könnten – wie auch in alten Intercity-Zügen – während der Fahrt geöffnet werden.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.