Stadtwerke

Heizt Rheine bald teils mit Abwasser?

„Environ“-Gebäude: Pilotprojekt für innovative Wärmeversorgung

Montag, 9. November 2020 - 08:53 Uhr

von Newsdesk

Foto: Uhrig Energie, CPC Germania

Das „Environ“-Gebäude (rechts) nutzt die Wärme aus dem Abwasser im Kanal unter dem Gebäude, um seine Räume zu heizen und zu kühlen.

Seit Februar ist es in Betrieb, das Gebäude mit der wahrscheinlich innovativsten Wärmeversorgung in Rheine: das „Environ“-Gebäude der Tacke Holding im Innovationsquartier auf der Bahnhof-Westseite. Das Besondere: Alle Räume des vierstöckigen Gebäudes werden durch Abwasserund Erdwärme-Nutzung erwärmt und gekühlt. Scheint die Sonne, kann der Strom für die Wärmepumpe, die die Abwasserwärme nutzt, zum Teil aus den vorhandenen Photovoltaikanlagen genutzt werden.

Damit bezieht das „Environ“-Gebäude seine Energie größtenteils aus regenerativen Energien. Ermöglicht hat dies die Kooperation mit den Technischen Betrieben Rheine (TBR) und den Stadtwerken. „Das Projekt beweist, dass die Kombination unterschiedlicher regenerativer Energieerzeugungsarten, individuell abgestimmt auf die jeweilige Gebäudesituation, selbst große Gebäude unabhängig machen kann von fossilen Energieträgern“, sagt Hermann-Josef Kohnen, Geschäftskundenberater Energie & Wasser bei den Stadtwerken Rheine. Er ist stolz auf das Projekt, wird doch Abwasserwärme viel zu selten in Europa genutzt.

Möglich macht es ein großer Abwasserkanal, der unter dem Gebäude verläuft. „Die Wärme des Abwassers zu nutzen, ist sehr viel weniger aufwändig als Erdbohrungen zur Nutzung der Erdwärme“, sagt Kohnen. Deshalb prüfen die TBR und Stadtwerke aktuell, ob die Abwasserkanalsituation bei weiteren bestehenden Gebäuden und auch Neubauten in Rheine ein ähnliches Konzept wie am „Environ“- Gebäude ermöglicht. Die Initiative zur Nutzung der Abwasserwärme für die Gebäudeheizung und -kühlung kam von den Verantwortlichen der Tacke Holding. Die Stadtwerke Rheine zeigten sich gleich begeistert von der Projektidee und installierten im Abwasserkanal mit der Genehmigung der TBR unter dem Gebäude einen Wärmetauscher, der die Wärmepumpe mit Wärme aus dem Abwasser versorgt.

Die Abwasser- Wärmeanlage stammt von der Uhrig Energie GmbH und kann mit einer Leistung von 105 kW heizen und im Sommer mit 113 kW kühlen. Auf einer Länge von 49 Metern wurden dabei 53 Elemente in den Abwasserkanal eingebaut, sodass 58 Quadratmeter Wärmetauschfläche zur Verfügung stehen. Mithilfe dieses Systems gewinnt das Gebäude die Hälfte seines Bedarfes; die restliche Wärme wird mit zusätzlichen Erdsonden gewonnen. Aktuell wird auch gemeinsam mit den Technischen Betrieben untersucht, ob beim Neubau der Elsa-Brändström-Realschule ein derartiges Konzept ebenfalls umgesetzt werden kann. Grundvoraussetzung ist ein ausreichend dimensionierter Abwasserkanal mit großen Abwassermengen in der Nähe des zu versorgenden Gebäudes. Gerade im Neubaubereich von großen Objekten mit hohem Dämmstandard ist Abwasserwärme eine prüfenswerte Alternative zu konventionellen Heiztechniken.

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