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Stadtwerke

Mit einem Ticket quer durch Westfalen

Der WestfalenTarif vereinheitlicht Preise und Tarife für mehr Übersichtlichkeit beim Bus- und Bahnfahren

Dienstag, 27. Juni 2017 - 09:50 Uhr

von anonymous anonymous

Foto: Sven Rapreger

Die neuen Bordrechner für den neuen Tarif sind bereits in den Bussen installiert.Rapreger

Wer mit Bus und Bahn quer durch Westfalen unterwegs ist, muss momentan noch ein ganz schönes Wirrwarr an Ticket- und Tarif-Wechseln bewältigen: Sobald man den einen Verkehrsverbund verlässt und in den nächsten fährt, heißen die Tickets anders, haben andere Bedingungen und andere Preise. Damit ist ab August Schluss: Die Verkehrsverbünde Münsterland und Ruhr-Lippe (VGM), Westfalen-Süd, Hochstift und Teuto OWL schließen sich zum flächenmäßig zweitgrößten Verkehrsverbund Deutschlands zusammen: dem WestfalenTarif.

„Ab dem 1. August haben es Fahrgäste in ganz Westfalen nur noch mit einem Preis- und Tarifsystem zu tun – das macht das Fahrkartenkaufen wesentlich einfacher“, sagt Axel Zunker, Technischer Leiter der Verkehrsgesellschaft Rheine (VSR). Das neue Tarifgebiet reicht von Petershagen im Norden bis Burbach im Süden und von Isselburg im Westen bis Beverungen im Osten.

Das bleibt gleich mit dem WestfalenTarif:

1. NRW-Pauschaltickets: NRW-Pauschaltickets wie z. B. das SchönerTagTicket bleiben auch im neuen Tarifgebiet unverändert erhältlich und gültig.

2. Ticket-Namen: Viele der neuen Tickets dürften den Fahrgästen bekannt vorkommen. So gibt es auch weiterhin z. B. das 4er-Ticket oder das 9 Uhr TagesTicket.

3. Tarifänderungen: Die Fahrpreise steigen wie bisher in regelmäßigen Abständen um etwa dieselbe Prozentzahl.

Das ändert sich mit dem neuen WestfalenTarif:

1. Start-Ziel-Tickets: Tickets werden nicht mehr nach Preisstufen verkauft, sondern nach einer Start-Ziel-Eingabe.

2. Preisanpassung „Die Blaue“: „Die Blaue“ kostet ab dem 1. August 40,30 Euro, „Die 9-Uhr Blaue“ 31,60 Euro. Damit bleibt „Die Blaue“ die günstigste Abo-Karte für Rheine.

3. Schüler-Wochenticket: Das Schüler-Wochenticket entfällt und wird durch das günstigere 7 TageTicket ersetzt.

4. eTicket: Bis 2022 wird flächendeckend das eTicket eingeführt, das elektronische Ticket. Dadurch sind die Mehrweg-Papiertickets, die die Rheinenser kennen, auf Dauer nicht zukunftsfähig. Zum 1. August entfallen daher die 10er- und 30er-Karten.

Nutzer der 10er-Karte können auf das 4er-Ticket umsteigen, da 10er- und 4er-Ticket preislich einander entsprechen. „Wir wissen, dass viele Rheinenser die 10er und 30er-Karten sehr gerne nutzen, und haben uns in den Verhandlungen mit unseren Tarifpartnern daher sehr schwer getan, diese Tickets fallen zu lassen“, sagt Axel Zunker, Technischer Leiter der Verkehrsgesellschaft Rheine (VSR). „Doch wie bei allen Kooperationsgemeinschaften mussten auch wir bereit sein, Kompromisse einzugehen. Wir sind der Ansicht, dass die Vorteile des WestfalenTarifs überwiegen.“ Mit dem Wegfall der Vorratskarten entfallen leider auch die bekannten Vorverkaufsstellen in Rheine. Das KundenCenter der Stadtwerke Rheine bleibt selbstverständlich als erster Anlaufpunkt und Vorverkaufsstelle für alle anderen Tickets erhalten.

Einen Trost gibt es aber: Wer vor dem 1. August 2017 noch 10er-Tickets im Vorverkauf erwirbt, kann noch ein ganzes Jahr weiterhin damit unterwegs sein – und das auch noch zum günstigeren alten Tarif. Die Städte im Tarifgebiet werden nach und nach auf das eTicket bis 2022 umgestellt. Die Busse in Münster nutzen es schon.

Drei Fragen an Dipl.-Ing. (FH) Axel Zunker, Technischer Leiter der VSR:

Was sind Ihrer Ansicht nach die großen Herausforderungen der nächsten zehn Jahre bezogen auf Mobilität und den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV)?

Spannend sind die zunehmende Mobilität und wie sich das Zusammenspiel von Rad, Bus, Zug und E-Fahrzeugen entwickelt – auch vor dem umwelttechnischen Hintergrund. Mit der Digitalisierung sind hier ganz neue Konzepte möglich – z. B. eben durch das eTicket, das einfach mit dem Mobiltelefon genutzt werden kann.

Was reizt Sie an Ihrem Job am meisten?

Die Umstellungen der nächsten zehn Jahre sind in meinem Bereich größer und vielfältiger als die der letzten 50 Jahre: Der E-Bus wird zu einer Alternative und mit ihm eine komplett neue Technik; auch Wasserstofffahrzeuge sind möglich. Außerdem werden wir Verkehrsmittel ganz anders kombinieren können, indem wir Räder an Mobilpunkten bereitstellen. Wer mit dem Zug nach Rheine kommt und zur Saline will, könnte sich zukünftig am Bahnhof entscheiden, ob er ein Leihrad oder den Bus nimmt – alles mit demselben Ticket. Der Trend geht dahin, nicht mehr für ein bestimmtes Beförderungsmittel (Bus oder Bahn) zu zahlen, sondern für Mobilität. Die Konzepte dafür müssen entwickelt und umgesetzt werden: technisch, organisatorisch und im Vertrieb – darauf freue ich mich!

Welche Aufgaben kommen auf die Verkehrsgesellschaft Rheine (VSR) zu?

Die VSR wird die neuen Mobilitätskonzepte in den ländlichen Raum hineintragen und hier lokal umsetzen. Wir werden unseren Kunden nahebringen, dass der öffentliche Nahverkehr geeignet ist, zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren – als Regel-, nicht als Ausnahmefall. Die Herausforderung ist, ihnen die Angst zu nehmen und die Vorteile klarzumachen. Viele denken noch, dass die Nutzung des ÖPNV für sie zu kompliziert oder teuer wäre, während die Menschen in Großstädten schon lange daran gewöhnt sind, sich auf den ÖPNV zu verlassen: Dort geht es nicht anders, denn ohne ÖPNV würden die Autos die gesamte Stadt lahmlegen.


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