Stadtwerke

Wasserwerk St. Arnold: Der Weg des Wassers

Vom Grundwasser zum Trinkwasser

Freitag, 9. Juli 2021 - 14:11 Uhr

von Newsdesk

Foto: Mareike Knue

Dustin Twieling an der Druckfilteranlage zur Enteisenung.

Das Wasserwerk St. Arnold liegt versteckt an einer Seitenstraße. Dem unauffälligen Gebäude sieht man nicht an, dass es maßgeblich beteiligt ist an der Lebensfähigkeit von Rheine und Umgebung. Das Wasserwerk St. Arnold ist eines von drei Wasserwerken der Stadtwerke Rheine. Von hier aus werden Rheine und Umgebung mit Trinkwasser versorgt – Tag und Nacht, rund ums Jahr. Elf Mitarbeiter tragen dafür die Verantwortung.

Wirrwarr aus bunten Linien

Dustin Twieling, verantwortlich für die Wasserversorgung bei den Stadtwerken Rheine, führt zuerst in die Netzleitstelle, einen verglasten Raum, in dem neben den Computerarbeitsplätzen auch noch das Prozessschaubild als Wandtafel existiert. Während für Laien das Geschehen auf den Bildschirmen ein Wirrwarr aus bunten Linien ist, wird an der Wand schnell klar, welchen Weg das Wasser nimmt, bis es zuhause aus dem Wasserhahn fließt. Insgesamt unterhält das Wasserwerk St. Arnold drei Filterstraßen, damit jederzeit Trinkwasser aufbereitet werden kann, auch wenn eine Filterstraße einmal ausfällt – z. B. bei Wartungsarbeiten.

„Im Mai wurden alle Wartungs- und Revisionsarbeiten abgeschlossen, denn in den Sommermonaten läuft das gesamte System auf Hochtouren“, sagt Twieling.

Die erste Station des späteren Trinkwassers ist die Brunnenanlage: Sie fördert das Grundwasser aus ca. 20 Metern Tiefe. Aus einem Gewinnungsgebiet wird das Grundwasser zunächst zusätzlich durch einen Aktivkohlefilter geleitet, um Pestizide herauszufiltern. Dann folgt die Enteisenung: In drei geschlossenen Druckfiltern wird dem Wasser Eisen entzogen. Ein Schutzstrom verhindert die Korrosion der von außen türkis angestrichenen Behälter.

Nach der Enteisenung durchläuft das Wasser die physikalische Entsäuerung (Riesler); damit wird der pH-Wert für die folgende Entmanganung eingestellt. Hartes Wasser würde in Spül- und Waschmaschinen stärkere Kalkablagerungen entstehen lassen. „Auch Teetrinker wissen den Härtegrad Mittel im Wasser zu schätzen, da sich sonst ein Film auf der Teeoberfläche bildet“, so Twieling. Der Ziel-pH-Wert wird über Riesleranlagen erreicht.

Anschließend folgt die Entmanganung in offenen Filtern. Die gefliesten Becken muten ein wenig wie Schwimmbecken an. Das über die Riesler entsäuerte Wasser wird mit Sauerstoff versetzt, dadurch wird über eine Oxidation und überwiegend biologisch durch manganfällende Bakterien das Mangan abfiltriert.

Nun ist das Wasser einsatzbereit: Das saubere, wertvolle Trinkwasser wird nun in den Reinwasserspeicher auf dem Waldhügel bei Rheine geleitet. 4.000 Kubikmeter (ca. 22.000 Badewannen) fasst der. Über Kreiselpumpen gelangt das Trinkwasser ins Reinwassernetz und schließlich über den Hahn in die Haushalte. Ein Schiffsmotor mit 500 Kilovoltampere sichert die Notstromversorgung des Wasserwerks St. Arnold, damit die Trinkwasserversorgung – und damit auch der Löschwassernachschub für die Feuerwehr – gesichert ist.

In Trockenbecken unter offenem Himmel hinter dem Wasserwerk lagern sich die Filterrückstände aus den Filterrückspülungen ab. „Der getrocknete Schlamm wird später z. B. in Biogasanlagen verwertet“, teilt Twieling mit.

150 Parameter werden untersucht

Die Überprüfung der Trinkwasserqualität leistet ein externes akkreditiertes Labor. Dennoch gibt es auch im Wasserwerk ein Labor: Hier werden Eigenanalysen und Feldversuche durchgeführt. „Im Jahr untersuchen wir rund 150 Parameter in unterschiedlichen Abständen. Das ergibt etwas über 14.000 Analysenwerte“, sagt Twieling. Beispielsweise wird das Wasser in Petrischalen „bebrütet“, um auszuschließen, dass das Trinkwasser Kolibakterien enthält, denn die könnten zu Magen-Darm-Erkrankungen führen.

Das Trinkwasser aus dem Hahn hat also einen langen Weg hinter sich. „Es freut mich immer, wenn die Bürger den Wert unseres Wassers zu schätzen wissen und sich bewusst machen, dass unsere Trinkwasserversorgung selbst innerhalb Europas für noch viele Länder eine Luxussituation darstellt – in Bezug auf die Qualität und den Preis“, so Twieling. Infos zur Wasserqualität in Rheine: www.stadtwerke-rheine.de/Wasserwerte

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