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Stadtwerke

Wenn plötzlich das Licht ausgeht

Die Netzleitstelle der Stadtwerke Rheine überwacht und steuert die Stromversorgung der Stadt

Freitag, 26. Oktober 2018 - 15:08 Uhr

von Newsdesk

Foto: Mareike Knue

Josef Bückers in der Netzleitstelle der Stadtwerke Rheine vor den Überwachungs-Monitoren und dem Großbildschirm.

Beim Betreten der Netzleitstelle der Stadtwerke Rheine erscheint nur eine Störungsmeldung auf dem Bildschirm. „Die können Sie selbst beheben, schließen Sie mal die Tür“, sagt Josef Bückers, der Leiter für Anlagen und Betriebsführung der Energie- und Wasserversorgung Rheine. Tür zu – Meldung weg. So einfach lässt sich nicht jede Störung beheben – aber dass die Tür geschlossen ist, ist in einem solchen Fall enorm wichtig.

„Wenn ein ernster Störungsfall auftritt, z. B. ein Spannungsausfall in der Mittelspannung oder eine Störung in einem unserer beiden Umspannwerke, trudeln hier hunderte Meldungen gleichzeitig ein“, sagt Bückers. Dann ist es wichtig, dass der Bereitschaftsdienst ungestört in Minutenschnelle wichtige Entscheidungen treffen kann: Welche Meldungen sind akut relevant? Welches Ereignis liegt ihnen überhaupt zugrunde? Und wie können wir in dieser Situation die Kunden wieder mit Strom versorgen? Neugierige Fragen von Arbeitskollegen wären in diesem Raum erst einmal fehl am Platze und würden die Wiederversorgung nur hinauszögern.

Die Netzleitstelle überwacht die Energieversorgung in Rheine mithilfe einer interaktiven Visualisierung. Auf dem Großbildschirm sind die vier Mittelspannungs-Netzgruppen farblich eingezeichnet, die zu jeweils einem Großtransformator gehören. Zoomt man in die Darstellung hinein, kann man selbst solche Details erkennen wie eine Stromkabel-Abschaltung zum Schutz von Straßenbauarbeitern.

Die Meldungen, Warnungen und Störungen erscheinen auf Listen, die auch der 24-Stunden-Service einsieht. Dieser benachrichtigt wenn nötig die Mitarbeiter der Bereitschaften. Bei einem Netzausfall wird zusätzlich die Ingenieur-Bereitschaft alarmiert. Das Schneechaos 2005 und der Orkan Kyrill vom Januar 2007 zogen die längsten Störungsbearbeitungen nach sich. „Beim Schneechaos hat unser damaliger Nadeldrucker anderthalb Tage durchgedruckt, weil es noch keine elektronische Störungsarchivierung gab“, erinnert sich Bückers.

Mit tagelangen Dauereinsätzen zunächst in Rheine und dann in Ochtrup war die Stadtwerke-Mannschaft im Schneechaos beschäftigt. „Die Netzspannung schwankte, das Licht flackerte und die Stadtgebiete Richtung Elte und Riesenbeck waren rund acht bis zehn Stunden ohne Strom, weil eine Freileitung unter der klebrigen Schneelast zusammengebrochen war“, erinnert Bückers sich. Josef Bückers hat zwischen 1978 und 1982 bei den Stadtwerken Rheine gelernt und ist dort seit 1984 im Netzbau und Netzbetrieb tätig. Im Jahre 2003 übernahm er die Leitung der Netzleitstelle von seinem Vorgänger Erwin Strukamp. Der arbeitete noch mit einem auf Plexiglas gemalten Übersichtsplan mit LED-Lichtchen sowie mit vier jeweils 60 Kilogramm schweren hochauflösenden Monitoren und einem roten Telefon, das direkt mit der Feuerwehr verbunden war. Das zeigt ein Foto an der Wand von 1988. Die heutige Netzleitstelle hat Herr Bückers mit entwickelt und aufgebaut und im Laufe der Zeit bereits einmal komplett erneuert. „IT-Technik ist eigentlich schon im Katalog veraltet und bedarf ständiger Aktualisierung“, sagt Bückers.

Die alte Übertragungstechnik ist im IT-Zeitalter jedoch nicht obsolet, sondern wurde aus Sicherheitsgründen wieder reaktiviert: Ein nicht manipulierbares, analoges Fernmeldesystem wie in den 60er Jahren ermöglicht der Netzleitstelle die Netzüberwachung ganz ohne IT. „Das ist wichtig, wenn tatsächlich einmal ein Virus durch die Firewall oder ein Hacker ins Netz kommen sollte“, sagt Bückers. Dieser Ernstfall wird einmal jährlich in einer Notfallübung getestet, in dem alle IT- basierten Systeme abgeschaltet werden.

Was aber ist mit den kleinen Stromausfällen bei den Rheinensern zuhause? „Wenn das Licht ausgeht, erst den Sicherungskasten checken, für Ausfälle im eigenen Haus ist der jeweilige Eigentümer verantwortlich. Bevor Sie nun einen Installateur mit der Fehlersuche beauftragen, können Sie auch einen Nachbarn fragen“, sagt Bückers. „Hat der auch keinen Strom, liegt der Fehler wahrscheinlich nicht nur im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung – dann jederzeit den 24-Stunden-Service anrufen. Denn bei Ausfällen im Niederspannungsnetz sind wir auf die Hinweise der Bürger angewiesen.“ Die Rufnummer: 05971/45-200. Ein Mitarbeiter des Bereitschaftsdienstes klärt dann die Situation vor Ort.


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