Sportmix

„Laborratten“, nun Modellprojekt: Snooker und die Zuschauer

Mittwoch, 21. April 2021 - 11:46 Uhr

von Von Patrick Reichardt und Philip Dethlefs, dpa

Zuschauer mit Mund-Nasen-Schutz sitzen im Crucible Theatre in Sheffield auf der Tribüne. Foto: George Wood/PA Wire/dpa

Sheffield (dpa) - Der Sport ohne Publikum ist in der Corona-Pandemie zur Normalität geworden. Das soll sich auf der britischen Insel wieder ändern. Wie ein Snooker-Event Hoffnung auf die ganz großen Abende im Wembley schüren kann. Was beim Snooker derzeit im Schnelldurchgang versucht wird, soll dem Fußball im Idealfall als Vorbild dienen. Erst einmal wenige Zuschauer, dann etwas mehr - und pünktlich zum Finale dann Vollauslastung. 

Das Crucible Theatre von Sheffield ist zwar nicht das Wembleystadion von London und die Snooker-WM erst recht nicht die Fußball-EM - die Zeichen aber, die von dem Event ausgehen, sind deutlich: Großbritannien will es in Sport und Kultur Schritt für Schritt zurück in die alte Realität schaffen.

Im Rahmen eines Pilotprojekts der britischen Regierung, bei dem die Snooker-WM als eines von mehreren Events ausgewählt wurde, dürfen im Lauf des Turniers immer mehr Fans in Crucible. In der ersten Runde, die am 17. April begann, war eine Auslastung von 33 Prozent zugelassen. Dabei galten noch Abstandsregeln zwischen den einzelnen Zuschauergruppen.

In der am 22. April beginnenden zweiten Runde wird die Kapazität auf 50 Prozent, bei den Viertel- und Halbfinals auf 75 Prozent erhöht. Ein Mindestabstand ist dann nicht mehr nötig. Die Maskenpflicht besteht während des gesamten Turniers. Beim Finale sollen dann alle Plätze des traditionellen Austragungsorts besetzt sein. Wie 2019 in der Vor-Corona-Zeit.

„Unsere führenden Spieler haben die Aufregung vermisst, in eine Arena voller Fans zu gehen“, sagte Snooker-Boss Barry Hearn. Der 72-Jährige fällt in der Corona-Pandemie auch damit auf, dass seine Prognosen stets sehr optimistisch ausfallen. Zum Start in 2021 hatte Hearn, der auch Boss des Darts-Weltverbandes PDC ist, angekündigt, bis Ostern habe man „das Virus besiegt“ und kehre „zur Normalität zurück“. Damit wurde es bekanntermaßen nichts.

Im Vorjahr, als die WM im August stattfand, hatte die Zulassung von Zuschauern noch für heftige Kontroversen gesorgt. Der spätere Weltmeister Ronnie O'Sullivan hatte von „Laborratten“ gesprochen und gesagt: „Irgendwo muss man ja anfangen, dann fängt man eben mit den Snooker-Spielern an.“ Sein englischer Landsmann Anthony Hamilton - selbst Asthmatiker - schimpfte damals: „Wenn nur ein Mensch im Crucible krank wird und dann stirbt - dann ist es ein Mensch, der ohne jeglichen Grund gestorben ist, nur für die Unterhaltung.“

Die Stimmung 2021 ist deutlich besser. „Wir wurden aufgrund unserer beispielhaften Durchführung von Snooker-Events im vergangenen Jahr in einer sicheren Umgebung ausgewählt. Wir haben den Standard in der Sportwelt gesetzt“, behauptete Hearn. Es gehe nicht um Snooker, sondern „auch um die Ausrichtung von Live-Events in Innenräumen“. Man sei „stolz“, ein Teil davon zu sein.

Auch die deutsche Snooker-Stimme Rolf Kalb ist zuversichtlich, dass das Vorhaben rund um das Turnier gelingt. „Im Gegensatz zum letzten Jahr ist es jetzt natürlich so, dass es Schnelltests gibt. Zweitens ist das Ganze wissenschaftlich begleitet“, sagte Kalb der dpa. Dazu kommt das rasante Impftempo in Großbritannien, wo bereits deutlich mehr Erwachsene gegen das Coronavirus geimpft wurden als in  Deutschland.

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