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Unter Strom: Das wilde Auf und Ab von Darts-Elektriker Cross

Montag, 18. Oktober 2021 - 11:21 Uhr

von Von Patrick Reichardt, dpa

Sieger Rob Cross posiert mit dem Pokal. Foto: Swen Pförtner/dpa

Salzburg (dpa) - Quereinstieg, WM-Titel, Morddrohungen, Siegesserie, Flaute: Die kurze Darts-Zeit von Rob Cross hat schon genug Wendungen für eine ganze Karriere. Dass er mit 31 nun wieder den EM-Thron erobert, kommt vollkommen überraschend. Als der frühere Elektriker Rob Cross zum letzten Mal ein wichtiges Darts-Turnier gewann, wusste die Welt noch nichts von der Corona-Pandemie.

Im Oktober 2019 eroberte er vor gut gefüllten Rängen und vielen kostümierten Fans den EM-Titel in Göttingen - es folgten die pandemiebedingte Vollbremsung und ein sportliches Tief für Cross, der in rund fünf Jahren als Darts-Profi schon so viele Aufs und Abs miterlebt hat. Umso emotionaler wurde der 31 Jahre alte Engländer mit dem Spitznamen „Voltage“ nun am späten Sonntagabend in Salzburg, als er völlig überraschend zum zweiten Mal Europameister wurde.

Cross: „Ich habe den Job erledigt“

„Nach diesen 18 Monaten ist es großartig, wieder zu gewinnen. Das war wahrscheinlich die härteste Zeit meines Lebens“, schilderte Cross, nachdem er im Endspiel den langjährigen Dauerrivalen Michael van Gerwen (Niederlande) mit 11:8 bezwungen hatte. Cross war zuletzt bei den großen Turnieren kein wirklicher Titelkandidat mehr und rutschte in der Weltrangliste immer weiter ab, fiel zuletzt sogar aus den Top 10. In Salzburg, wo unermüdliche Fans alte Schlagerklassiker wie „Irgendwann bleib i dann dort“ von STS sangen, war es nun anders. „Ich habe den Job erledigt“, sagte Cross.

Der Siegerpokal und die umgerechnet rund 140.000 Euro Preisgeld sind für Cross wichtig. Doch das Gefühl, die ganz großen Turniere noch gewinnen zu können, dürfte ihm mit Blick auf die WM in London (15. Dezember bis 3. Januar) noch mehr bedeuten. Der Quereinsteiger befindet sich gerade einmal fünf Jahre als Profi auf der Darts-Tour und hat doch schon die komplette Bandbreite der Gefühle durch: erst ein märchenhaftes erstes Jahr mit WM-Titel gegen Legende Phil Taylor, später Morddrohungen, weitere große Titel und im Anschluss der tiefe sportliche Fall. Nun dieses Comeback, quasi aus dem Nichts.

Unterlegener van Gerwen redet sich selbst schlecht

In der Stunde des Sieges wirkte Cross angriffslustig, formulierte direkt forsche Ziele. „Ich denke, dies wird ein Wendepunkt für mich sein. Mit der Zuversicht, die es mir gibt, weiß ich, dass ich in den nächsten Monaten besser sein werde. Ich würde gerne einen weiteren WM-Titel gewinnen“, sagte „Voltage“. Der wieder einmal besiegte van Gerwen war bei der Siegerehrung mehr damit beschäftigt, sich selbst schlecht zu reden. „Ich habe Mist gespielt im Finale, wirklichen Mist. Ich kann mir nur selbst die Schuld geben“, sagte „Mighty Mike“. Zweiter zu sein, das sei für ihn „nichts“.

In den kommenden acht Wochen bis zur WM werden Cross und van Gerwen gewiss als Herausforderer für den Coup im Alexandra Palace gelten. Als Nummer eins etabliert hat sich derweil der Waliser Gerwyn Price, der am Sonntag in Salzburg erst nach einem famosen Viertelfinale an van Gerwen gescheitert war. Spannend zu sehen wird bis dahin auch die Entwicklung der deutschen Profis. Gabriel Clemens und Martin Schindler haben ihr London-Ticket sicher, für den zuletzt schwachen Max Hopp und EM-Überraschung Florian Hempel gilt es dieses bis Ende November noch zu erobern.

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